

Die Anwendungsmöglichkeiten von sozialen Netzwerke sind für Unternehmen sehr vielseitig. Sie können als Arbeitsnetzwerk, Lernnetzwerk, Innovationsnetzwerk, Expertennetzwerk oder auch Karrierenetzwerk genutzt werden. Im Vordergrund steht dabei der Auf- und Ausbau des sozialen Kapitals. Es dient sozusagen als Investition in das eigene Wissenskapital. Berücksichtigt man dabei, dass ein einzelner Mensch nicht mehr alles wissen kann, sondern immer auf ein Netzwerk von Menschen angewiesen ist, so könnte die Nutzung von Facebook & Co genau diese Wissensressourcen verwalten und unabhängig von Zeit und Ort verfügbar machen. Der Zugriff auf starke Netzwerkbindungen (strong ties = enge Freunde, Kollegen etc.) schafft dabei die nötige Vertrauensbasis, Anerkennung und emotionale Identifikation mit dem Netzwerk, die schwachen Bindungen (weak ties = lockere Bekanntschaften) sorgen für einen regen Informationsfluss und für den Aufbau von neuen Wissensressourcen und Wissensbausteinen. Für Unternehmen im Sinne der Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit ein wichtiger Faktor.
Dazu kommt, dass sich der Anteil und die Bedeutung informeller Lernprozesse immer mehr erhöht und sich Wissenslandschaften nicht mehr nur durch formelle Lernstrategien erweitern lassen. Daher gilt es informelles und formelles Lernen sinnvoll zu verknüpfen. Versteht man das Lernen in Netzwerken dann noch als wichtiges Bindeglied informeller und formeller Lernprozesse, so kann der Einsatz von sozialen Netzwerken als Katalysator verstanden werden und der Idee des lebenslangen Lernens entgegenkommen.
Doch sind mit der Implementierung solcher Lernstrategien auch Gefahren und Hindernisse verbunden, die es zu bewältigen gilt. Ein großer Risikofaktor ist das Thema „Sicherheit“. Die Angst vor dem Imageverlust eines Unternehmens, vor dem Verlust von Firmendaten oder vor den Angriffen durch Hacker stellt eine Hürde dar, die Unternehmen einzuschätzen und zu überwinden haben. Auch der Faktor „Vertrauen in die Mitarbeiter“ und die Struktur der Software an sich spielen hier eine erhebliche Rolle. Daneben ist die Existenz einer offenen Unternehmenskultur, in die die Web-2.0-Elemente integriert werden und in der eigenverantwortliches sowie selbstständiges Handeln im Vordergrund stehen, Grundvoraussetzung. Das schreit geradezu nach Spielregeln die intern festgelegt und auch gelebt werden müssen, die so genannten Social Media Policies.
Letztlich erfordert der Umgang mit Facebook & Co. jedoch auch neue Handlungskompetenzen bei den Mitarbeitern. Es ist ein Geflecht aus einer Vielzahl von Kompetenzen, die erworben und kontinuierlich weiterentwickelt werden müssen. Neben Fähigkeiten wie Innovations-, Kooperations-, Selbstmanagement- und Selbstlernkompetenz ist es vor allem die Medienkompetenz, die die Grundlage im Umgang mit sozialen Netzwerken darstellt. Das Vermögen, das Angebot an Netzwerken zu analysieren, es kritisch zu betrachten, sinnvoll zu gestalten und bedarfsgerecht einzusetzen, verlangt ein hohes Maß an Verantwortung und Qualifikation. Mitarbeiter müssen in der Lage sein, aus dem Social Media Angebot die richtige Wahl zu treffen. Eine zentrale Aufgabe der Unternehmen ist daher, ihre Mitarbeiter in dieser Entwicklung zu unterstützen.
Noch halten sich vor allem deutsche Unternehmen bei der Nutzung der Communities zurück. Teilweise wird der Umgang mit den Applikationen aus Sicherheitsgründen sogar komplett blockiert. Letztlich ist diese Vorgehensweise jedoch kontraproduktiv und wenig effektiv. Mitarbeiter vernetzen sich trotzdem! Wenn es in die Unternehmenskultur nicht hineinpasst, dann werden die Netzwerke eben außerhalb der Unternehmen ausgebaut. Halb Deutschland ist bereits schon in sozialen Netzwerken aktiv!. Ähnliches zeigt sich bei der Einbindung von virtuellen Netzwerken ins Intranet. Liegt der Vorteil hier klar in der Vernetzung der Mitarbeiter eines Unternehmens untereinander, in dem natürlich auch die geforderten Kompetenzen weiterentwickelt werden, so schützt das nicht vor der eigenständigen Nutzung anderer Netzwerke außerhalb des Firmennetzwerkes.
Unternehmen sind gut beraten, wenn sie sich den neuen Herausforderungen stellen und eine Unternehmensstrategie entwerfen, in der die Kompetenzentwicklung der Mitarbeiter durch und in Netzwerken verankert ist. Das geht nur, indem Unternehmen tatsächlich den Mehrwert in diesen Anwendungen sehen und Facebook & Co. als Produktivfaktor bzw. als Faktor für den Aufbau und die Pflege sozialen Kapitals betrachten.